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Монографии, изданные в издательстве Российской Академии Естествознания

Die Geschichte der deutschen Literatur

Марченко С. Е.,

Die Aufklärung

Im XVIII. Jhd. begann der Kampf um eine einheitliche deutsche Nation. Es standen sich der Adel und das Bürgertum gegenüber. Auch die Literatur nimmt den Kampf gegen die Feudalgesellschaft auf, indem sie das bürgerliche Gedankengut formte und das bürgerliche Menschenbild verbreitete. In den europäischen Staaten kam es zu einer Aufklärungsbewegung, die auch in Deutschland Fuß fasste. Man war bestrebt, sich von den Fesseln und der Dogmatik der Kirche zu befreien und eine Ideologie zu schaffen, die auf dem menschlichen Verstand und der menschlichen Vernunft basierte. Der Kampf um die Vernunft gegen Religion wurde nun zum Inhalt der Literatur. Während des 30-jährigen Krieg war die Literatur in eine starke Abhängigkeit vom Adel geraten, die den Weg zu neuen Ideen und neuen Helden erschwerte. Nun erhob das Bürgertum seine Ansprüche auf ein neues Bildungsideal. Ihm ging es um Bildung, um echte und tiefe Gefühle und um ein vorurteilsfreies Denken. Man akzeptierte keinen blinden Glauben mehr und wollte statt dessen alle Dinge vom Verstand überprüfen lassen. Die Aufklärung bedeutete die Befreiung der menschlichen Vernunft und Befreiung des Bürgertums von Unterdrückung durch feudale und kirchliche Autoritäten. Wegen einer Schwäche des deutschen Bürgertums verlief die Aufklärungsbewegung in Deutschland anders, als in den übrigen europäischen Länder. Dort ging es in erster Linie um den Kampf gegen der Kirche. Die Literatur jener Zeit war vorwiegend vom Lehrcharakter geprägt und hatte die Aufgabe, im Sinne des bürgerlichen Ideale zu lehren und zu erziehen. Als Literaturgattungen wurden vorwiegend das Lehrgedicht und die Fabel gewählt. Es wurden moralischen Wochenschriften herausgebracht, die die Bürger belehren und erziehen sollten. Vom Bürgertum wurde ein Mensch nicht nach seiner Herkunft und Religion beurteilt, sondern nach seinem Fleiß, Tüchtigkeit und Pflichtgefühl. Einer der größten Dichter der frühen Aufklärung war Christian Fürchtegott Gellert, 1715–1769, Autor von “Fabeln und Erzählungen”. Für die Verbesserung des Lebens maß Gellert der Erziehung eine große Bedeutung bei. In seinem Literaturschaffen wollte er das ganze Volk ansprechen. In seinen Fabeln lobte er die gesellschaftlich nützliche Tätigkeit, Fleiß und Hilfsbereitschaft. Er kritisierte die Adligen, den Sklavenhandel und andere negative gesellschaftliche Erscheinungen, So wie Martin Opitz im 17. Jhd. war Johann Christoph Gottsched, 1700–1766, der führende Theoretiker der Aufklärung. Gottsched hatte das Programm der bürgerlichen Literatur entworfen und seine Theorie bestimmte lange Zeit die deutsche Literatur. Neben der Literatur bemühte sich Gottsched um die Erziehung der Menschen, wovon die von ihm herausgegebenen “moralischen Wochenschriften” zeugen. In seiner Schrift “Deutsche Sprachkunst” setzte er sich für die Reinheit der Sprache ein. Gottsched war ebenfalls der Meinung, dass die gesellschaftlichen Zustände durch die Erziehung der Menschen verändert werden könnten. Gerade der Literatur traute er zu, bei der Umgestaltung der Gesellschaft eine wichtige Rolle spielen zu können. Das Dichten betrachtete Gottsched ausschließlich als ein Erziehungsmittel. Dabei schien er ganz zu vergessen, dass die Literatur auch der Unterhaltung dienen sollte. Deshalb waren seine Werke meistens trocken und lehrhaft. Berühmt wurde er durch sein 1730 erschienenes Buch “Versuch einer
kritischen Dichtkunst” für deutsche Leser. Darin behandelte er die Literaturgattungen (Lyrik, Epik) und die Grammatik, setzte fest, nach welchen Regeln ein literarisches Werk zu schreiben war, und verlangte, das jedem Werk eine bestimmte Moral, ein Erziehungsziel zugrundelag. Er stellte die These auf, dass die Dichtkunst erlernbar sein muss. Dabei vergaß er, dass nicht jedermann ein Dichter sein kann. Dazu braucht man ein bestimmtes Talent, Phantasie und sogenannte Muse. Gottsched war ein Gegner der dichterischen Phantasie. Seiner Meinung nach war die Literatur einzig und allein ein Erziehungsmittel. Ungeachtet der Kritik leistete er Großes für das Theater. Zuvor hatte es in Deutschland nur wandernde Theatergruppen gegeben, die den Zuschauern Akrobatik, alberne Stücke und Zaubertricks anboten. Er verlangte, dass ein Theater immer eine bestimmte Anzahl von Theaterstücken in den Spielplan aufnahm und dass diese vor allen Dingen einen bedeutenden Inhalt hatten. Er forderte vom Schauspieler, den Text auswendig zu lernen und nur das Gelernte vorzutragen, was bisher nicht immer der Fall war und jeder herunterbetete, was ihm gerade einfiel. Seine Werke wurden von der Schauspieltruppe von Caroline Neuber, genannt die Neuberin, 1697–1760, aufgeführt, die das erste fest stehende deutsche Theater in Leipzig errichtete und von der Bühne die gleichen Ansichten wie Gottsched propagierte.

Im Laufe der Zeit erhob das Bürgertum weitere Ansprüche auf führende Positionen in der Gesellschaft. Den Zeitraum von 1750 bis 1770 nennt man die Lessingperiode der Aufklärung oder die Spätaufklärung.

Lessing war ein Humanist und trat für eine realistische Kunst ein. Bereits in der Lessing-Zeit sind Ansätze für das Humanitätsideal der deutschen Klassik zu finden: ein harmonischer Mensch, der für sich selbst und für das gemeinsame Wohl schöpferisch tätig ist. Von Bedeutung waren neben Lessing die Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock und Christoph Martin Wieland.

Friedrich Gottlieb Klopstock wurde als Sohn eines Rechtsanwalts geboren und studierte Theologie und Philosophie in Leipzig und Wena. Durch seine bürgerliche Herkunft fand er schnell den Weg zu Aufklärung und machte sie zu seiner Weltanschauung. Er war religiös und glaubte, dass die schlechte Erziehung der Fürsten der Grund für die elende Lage des Volkes war. Er zeichnete das Bild von einem guten Fürsten, vom “Vater des Vaterlands”. Das Theologiestudium gab Klopstock auf, er arbeitete als Hauslehrer und war dichterisch tätig. Großen Erfolg erreichte er mit seinem Werk
“Messias”. 1771 gab er eine Sammlung seiner Oden heraus. Die Oden Klopstocks sind bis heute ein Kleinod in der deutschen Literatur. In seinen Werken behandelte er nationale Probleme und um das Nationalgefühl zu erwecken, griff er auf die germanische Vorzeit zurück. Davon zeugen seine Dramen “Hermans Schlacht”, “Herman und die Fürsten” und “Hermans Tod”. Jedoch vermochten die Inhalte aus der Germanenzeit keine Probleme des Bürgertums im XVIII. Jahrhundert zu lösen. Klopfstock verfasste theoretische Arbeiten über die Sprache und Dichtkunst, z.B., “Die deutsche Gelehrtenrepublik”, ein wichtiges Werk in der deutschen Philologie. Begeistert nahm Friedrich Gottlieb Klopstock die französische bürgerliche Revolution auf. 1792 wurde er Ehrenbürger der Französischen Republik.

Das berühmte Werk von Klopstock “Messias” ist ein Epos, dem ein religiöser Stoff zugrunde liegt. Es schildert die Zeit vor dem Tode Jesu in Jerusalem und den Kampf zwischen Himmel und Hölle, der um Jesus geführt wird. In der Gestalt von Jesus bringt Klopstock seinen Glauben an die Würde des Menschen zum Ausdruck. Er zeigt den Sieg des Guten über das Böse im Kampf der Engel gegen die Teufel. Das Bürgertum nahm dieses Werk begeistert auf, weil darin neue Ideologie in einer großartigen Sprache vorgetragen wurde. Der religiöse Stoff bot allerdings keine Möglichkeit, die konkrete gesellschaftliche Realität zu schildern. Friedrich Gottlieb Klopstock starb 1803 in Hamburg.

Christoph Martin Wieland wurde 1733 als Sohn eines Pfarrers geboren. Nach dem Studium an der Universität in Thüringen las er antike Werke und machte Bekanntschaft mit den Ideen der Aufklärung. Seine Auffassungen über eine neue Gesellschaftsordnung ähnelten denen von Klopstock. Nicht die Abstammung, sondern das Geleistete sollten den Wert eines Menschen bestimmen.

An der Spitze des Staates soll ein tugendhafter Fürst stehen. Dies ist aus seinen Werken “Herman” und “Zwölf moralische Briefe” zu ersehen.

1752 ging Wieland nach Zürich, wo seine Literatur stark religiös geprägt wurde. 1760 kehrte er nach Deutschland zurück und übersetzte 22 Dramen Shakespeares ins Deutsche. Somit erschloss er dem deutschen Publikum die Werke des großen englischen Dramatikers. Zu seinen eigenen bedeutenden Werken zählt die Verserzählung “Musarion” und der Bildungsroman “Geschichte des Agathon”.

1769 wurde Wieland zum Professor für Philosophie an der Universität in Erfurt. 1772 lebte er in Weimar als Erzieher eines Prinzen. In Weimar gab Wieland die damals bedeutendste literarische Zeitschrift “Der deutsche Merkur” heraus. Ab 1790 hieß die Zeitschrift “Neuer deutscher Merkur”. Wieland stand in freundschaftlichem Kontakt mit Goethe, Herder und Schiller. In Weimar schrieb Wieland theoretische Schriften zur Literatur, zur deutschen Sprache, Ästhetik, Philosophie und Politik. Christoph Martin Wieland starb 1813 in Weimar.

Der größte Vertreter der deutschen Aufklärung war G.E. Lessing. Er wurde 1729 als Sohn eines Pfarrers geboren. Schon mit 17 Jahren ging er an die Universität und studierte Philologie. In Leipzig befasste er sich mit Kunstwissenschaft, Theologie und Philosophie. Mit Begeisterung besuchte er die Theateraufführungen der Schauspielergruppe von Caroline Neuberg.

1747 schrieb er sein erstes Stück “Der junge Gelehrte”, das die Neuberg im Jahre 1748 in Leipzig aufführte.

1772 promovierte er an der Universität Wittenberg. Als Reisebegleiter eines Patriziersohnes wollte Lessing eine Reise durch Europa unternehmen, doch der 7-jährigen Krieg durchkreuzte diese Pläne.

Die kritischen Artikel, die Lessing in Berlin verfasste, traten für eine Nationalliteratur ein und machten Lessing schnell berühmt. 1755 schrieb er das Trauerspiel “Miss Sara Sampson”. 1759 erschien eine Sammlung von Fabeln und das theoretische Werk “Abhandlung über die Fabel”. 1760 ging Lessing nach Breslau, wo er als Gouvernementsekretär angestellt wurde. Er war im Stadtdienst und hatte wenig Zeit für neue Dichtungen. In Breslau begann er die Arbeit an seinem größten theoretischen Werk “Laokoon” und er schrieb das Lustspiel “Minna von Barnhelm”.

Die letzten Lebensjahre verbrachte er als Bibliothekar beim Herzog von Braunschweig in der Stadt Wolfenbüttel. Zuvor hatte er eine schlimme Erfahrung mit dem Bürgertum in Hamburg gemacht. 1746 wurde er nach Hamburg eingeladen, um dort ein Deutsches Nationaltheater zu gründen. Da die Bürger der Stadt kein Interesse für echte Kunst hatten und kein Geld für das Theater aufbrachten, blieb der Versuch der Theatergründung ohne Erfolg.

In seiner Hamburgische Dramaturgie schrieb und lachte er über die Deutschen, die ein Nationaltheater schaffen wollten, obwohl sie noch gar keine Nation waren. Er arbeitete sehr intensiv in der Bibliothek in Wolfenbüttel. Er schrieb die Dramen “Emilia Galotti” und “Nathan der Weise”, veröffentlichte die “Wolfenbütteler Fragmente” und beendete die philosophische Schrift “Erziehung des Menschengeschlechtes”. In diesem Werk schilderte er die Erziehung der Menschheit zur Humanität.

1781 starb Lessing. Einer der Verdienste Lessings war die Definition der Fabel: “Wenn wir einen allgemeinen moralischen Satz auf einen besonderen Fall zurückführen, diesem besonderen Fall die Wirklichkeit erteilen und eine Geschichte daraus dichten, in welcher man den allgemeinen Satz anschauend erkennt, so heißt dieser Erdichtung eine Fabel”.

In den Fabeln “Der Esel und der Wolf”, “Der Löwe mit der Lamm”, “Das beschützte Lamm” wurde der Despotismus von Lessing bloßgestellt. In den Fabeln “Zeus und das Schaf”, “Der Rabe und das Schaf” und anderen prangerte er die Kirche als Stützte des Feudalabsolutismus. Das Lakaientum der Menschen geißelte er in den Fabeln “Der Tanzbär und der Rabe” “Der Rabe und der Fuchs”. Die meisten Fabeln versetzte Lessing in die Tierwelt, um gefahrlos die Menschen charakterisieren zu können. Um die Literaturtheorie und Ästhetik hatte sich Lessing besonders verdient gemacht. Dank seiner Förderung erschienen seit 1759 die neueste Literatur betreffenden Briefe. In verschiedenen Beiträgen setzte er sich für eine reine Literatursprache, eine realistische Dichtung und die Erziehung der Menschen zum Humanismus ein. Unter den Briefen, ist der 17. Literaturbrief besonders berühmt. Darin befasste er sich mit Gottsched Bemühungen um ein Nationaltheater. In der Schrift “Laokoon oder über die Grenzen der Malerei und Poesie” stellte der Literat fest, dass der Gegenstand der Malerei der Körper, während der Gegenstand der Poesie die Handlung ist. Lessing weist nach, dass jede Kunstform ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten besitzt, an die sie sich zu halten hat. Deshalb gehört die Beschreibung nicht zur Literatur, weil dies die Aufgabe der bildenden Kunst ist, während die bildende Kunst keine Handlung darstellen kann. In Lessings Dramen finden wir meistens Bezug zu historischen Ereignissen, die sich nicht nur in Deutschland abspielen. Die Handlung vom “Emilia Galotti” verlegt er nach Italien, obwohl die Darsteller eigentlich deutsche Charaktere verkörpern.

Die Komödie “Minna von Barnhelm” bezieht sich auf aktuelle Ereignisse in Deutschland. Einen Höhepunkt erreicht die Aufklärung mit Lessings “Nathan der Weise”. Damit will er sagen, dass man in den Fragen der Religion menschlich und tolerant sein und den Glauben anderer Völker dulden muss. Im diesem Werk treffen Vertreter drei führender Religionen – Christentum, Islam und Judentum – aufeinander. Für Lessing verkörperte der Jude Nathan das bürgerliche Menschenideal und das zu jener Zeit, als Juden besonders verhasst waren. Damit kämpfte Lessing gegen den religiösen Fanatismus an, der nur den eigenen Glauben anerkennt und den von anderen Menschen verachtet. Die Gestalt des Nathan ist in die Weltliteratur eingegangen.

Fragen und Aufgaben zum Thema:

1. Was führte in Deutschland zum Zeitalter der Aufklärung? (gesellschaftliche Situation).

2. Wie veränderte sich die Literatur?

3. Welche Literaturgattungen wurden entwickelt?

4. Nennen Sie die ersten Theoretiker der Aufklärung.

5. Warum erlicht die Aufklärung mit Lessing eine neue Qualität?

6. Mit welchen Ideen bereicherte die Aufklärung die deutsche Literatur?

7. Welches Menschenideal entstand in dieser Periode?

8. Halten Sie den Vortrag über Lessing.

9. Lesen Sie “Minna von Barnhelm” und analysieren Sie dieses Werk.

10. Charakterisieren Sie die Haupthelden des Werkes.

Aufgaben zum Seminar:

1. Die Besonderheiten der Ideologie der deutschen Aufklärung.

2. J. Chr.Gottsched und sein Kampf gegen die Traditionen der Literatur des 17. Jhs. Beschränkheit der klassizistischen Reform Gottscheds.

3. J. J. Winckelmann als einer Theoretiker der Kunst des 18. Jhs. Die Idee der Nachahmung. Der Einfluss Winckelmanns auf die Ästhetik von Goethe.

4. Das poetische Schaffen von Fr. G. Klopstock.

5. G. E. Lessing als hervorragender deutscher Aufklärer:

a) Theoretische Schriften von Lessing: “Briefe, die neueste Literatur betreffend”. Kritik des deutschen Klassizismus. Das positive literarische Programm im 17. Brief.

b) “Laokoon” als Kritik der Theorie und der Praxis des Klassizismus.

c) “Hamburgische Dramaturgie”: Kampf um das nationale Theater. Lessing über Shakespeare und über die erzieherische Rolle des Theaters.

d) Die Fabeln von Lessing: Eigenart ihrer Form und Aktualität des Inhalts.

e) Das Sozialdrama “Emilia Galotti”: Gestalten des Prinzen und Marinelli.

f) “Nathan der Weise”: ein philosophisches Drama: Entlarvung des religiösen Fanatismus. Gestalt von Nathan, Parabel von drei Ringen.

Literatur zu diesem Thema:

1. E. A. Messerle, Deutsche Literatur, Teil 2, S. 83 ff.

2. M. D. Stössel, Geschichte der dt. Literatur, S. 77 ff.

3. Borowikow, Lehrmittel, Kap. 5.

4. Martens/lewinson, Deutsche Literatur, S. 114–130, S. 132–166.


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