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Die Geschichte der deutschen Literatur

Марченко С. Е.,

Die deutsche klassische Literatur

Die Blütezeit der deutschen Literatur begann 1789 nach dem Ausbruch der französischen Revolution. Es war die Zeit des klassischen Realismus und ihre Zentralfiguren waren Goethe und Schiller. Zu jener Zeit wurden die Ideen der Aufklärung und des Sturm und Drang aufgegriffen und auf eine neue höhere Stufe gebracht. In der französischen Revolution wurde der Feudalismus endgültig besiegt. In Deutschland kam es zwar vielerorts zu Unruhen unter den Bauern, Studenten und Stadtbürgern, jedoch zu keiner Revolution. Die deutschen Dichter, Philosophen und Wissenschaftler nahmen die französische Revolution begeistert auf. In ihr sahen sie die Verwirklichung dessen, wonach sie gestrebt und wofür sie gekämpft hatten. Als die Jakobiner ihre Macht mit Massenterror verteidigten, wandten sich die meisten deutschen Intellektuellen von der Revolution ab. Immerhin hatten die Ideen dieser Revolution die Entwicklung der Philosophie, Naturwissenschaften und die Literatur beeinflusst.

Die Geschichte wurde nun als ein Prozess der Entwicklung vom Niederen zum Höheren aufgefaßt, wobei die Gegensätze als Triebkräfte der Entwicklung wirkten. Es entstand ein völlig neues Geschichtsbild, das besagte, dass das Menschengeschlecht eine Einheit darstellt, die auf Erden ihre Aufgaben erfüllt, sich fortwährend vervollkommnet und voranschreitet. Das Ziel der Entwicklung der Menschen ist die Humanität, was besonders in theoretischen Schriften von Lessing und Herder zum Ausdruck kommt. Die deutsche Literatur jener Zeit wurde zur Nationalliteratur, sie suchte und fand ihren Platz in der Weltliteratur.

Goethe und Schiller gelang, was Lessing in Hamburg nicht geschafft hatte. Sie gründeten das deutsche Nationaltheater in Weimar. Die Lyrik jener Zeit behandelte weltanschauliche Fragen. Um das neue Geschichtsbild zu verbreiten wurden viele auf dem historischen Stoff basierende Dramen geschrieben.

Der typische Roman des klassischen Realismus ist der Bildungs- und Entwicklungsroman, in dem die Entwicklung des Helden zum bürgerlichen Humanitätsideal geschildert wird.

1795 veröffentlichte Goethe einen Aufsatz unter dem Titel “Literarischer Sekularismus”. Darin stellte er die Frage, wann und wo ein klassischer Nationalautor zustande kommt. Wenn ein Autor bedeutende Ereignisse in der Geschichte seiner Nation entdeckt, wenn seine Landsleute in ihrem Denken und in ihren Handlungen Größe und Stärke beweisen, wenn ein Autor hochgebildet ist und gründliche Kenntnisse über die Kultur seines Volkes besitzt, dann kann aus ihm ein Nationalautor werden. Die klassischen Helden waren reine, aufrechte Menschen, die humanistische Ideen vertraten und in Harmonie mit der Umwelt nach Recht und Gerechtigkeit strebten.

Als Weimarer Klassik bezeichnet man zwischen 1786 und 1805 entstandenen Werke Goethes und Schillers. Auf ihre individuelle Art, häufig aber auch in gemeinsamer Arbeit, legten die beiden ihren Dichtungen und theoretischen Schriften von der Antike und Renaissance inspirierte ethische und ästhetische Grundsätze zugrunde, die im Ideal einer tätigen Humanität gipfelten. Während Schiller auf sittliche Fragen einen besonderen Nachdruck legte, war für Goethe die Idee des Schönen bestimmend. Die Wechselwirkung zwischen dem Spekulativen einerseits und dem Sinnlich-Individuellen andererseits trug ihre Früchte im persönlichen Gedankenaustausch, im Briefwechsel und in solchen gemeinsamen dichterischen und editorischen Unternehmen, wie die Zeitschriften “Die Horen” und “Propyläen”, “Xenien” und der Balladendichtung. Zum wichtigsten poetologischen Werk wurde der von Goethe und Schiller verfasste Aufsatz “Über epische und dramatische Dichtung” (1797), der neue Maßstäbe für die Definition der Gattungen setzte. Auf das Jahr 1797 fiel die intensivste dichterische Phase mit zahlreichen gegenseitig anregende Balladendichtungen, die im “Musenalmanach” für das Jahr 1798 erschienen. Zu den bedeutendsten Werken der Weimarer Klassik zählen solche Dramen von Schiller, wie “Wallenstein – Trilogie” (1800), “Maria Stuart” (1801) und “Wilhelm Tell” (1804), sowie Goethes Lehrgedicht “Die Metamorphose der Pflanzen” (1795) und sein noch in der Romantik hochgeschätzter Bildungsroman “Wilhelm Meisters Lehrjahre” (1795–1796).

Nach Schillers Tod (1805) setzte Goethes “nachklassische” Phase ein, in der die Formenstrenge der Klassik – nicht zuletzt durch die Berührung mit der Frühromantik – einer Tendenz zum Fragmentarisch-Aphoristischen wich. Sein Spätwerk stand im Zeichen langfristiger, zum Teil autobiographischer Unternehmen “Dichtung und Wahrheit” (1811–1814); “Faust”, (1808 und 1833); “Die Wahlverwandtschaften”, (1809); “Wilhelm Meisters Wanderjahre”, (1821 und 1829), erlebte jedoch in der Lyrik nochmals einen Höhepunkt “West-östlicher Divan”, (1819); “Trilogie der Leidenschaft”, (1824). Der starke Einfluss, den Goethe in der Blüte seines Lebens auf die deutsche Literatur ausgeübt hatte, schwand in den letzten Lebensjahrzehnten beträchtlich, als die Romantik und nach ihr das Junge Deutschland sich als prägende Kräfte durchsetzten.

Verwandt mit dem moralisch-ästhetischen Programm der Weimarer Klassik waren solche Dichtungen Friedrich Hölderlins wie der Briefroman “Hyperion” (1797), der Hexameter-Hymnus “Der Archipelagus” (1800) und das Dramenfragment “Der Tod des Empedokles” (1798–1800), doch in der starken Subjektivität der Lyrik kündigte sich bereits das Poesieverständnis der Romantik an. Zu deren wesentlichen Anregern auf dem Gebiet des Romans zählte Jean Paul, der zunächst dem Vorbild des englischen sentimentalen Romans folgte, später jedoch mit dem “Titan” (1800–1803) eine der meistgelesenen Prosadichtungen der Zeit vorlegte.

Fragen und Aufgaben zum Thema:

1. Erzählen Sie über diese Periode in der Geschichte Deutschlands.

2. Welchen Einfluss übten Schiller und Goethe auf die deutsche Literatur aus?

3. Was bedeutet der Begriff “Nationalautor”?

4. Wie ist der klassische Held?

5. Lesen Sie “Die Leiden des jungen Werthers” von J.W. Goethe.

6. Erzählen Sie über diesen Roman. Was macht diesen Roman so ungewöhnlich?

7. Welchen Widerspruch beinhaltet dieser Roman?

8. Welche Rolle spielt die Beschreibung der Natur in diesem Roman?

9. Warum war dieser Roman in Sachsen (1775) verboten?

Aufgaben zum Seminar:

1. Goethe in Weimar. Tiefe geistige Krise. Die erste (1786/88) und die zweite (1790) Italienreise. Die künstlerische Wiedergeburt des Dichters: “Die römischen Elegien”.

2. Die Lyrik der ersten Weimarer Periode:

a) An den Mond, Wanderers Nachtlied, das Göttliche, Mignon;

b) Versepos “Hermann und Dorothea” (1797), “Der west östl. Divan” – die Idee der Kultursynthese;

c) Tierepos “Reineke Fuchs” (1794).

3. Das dramatische Schaffen: “Egmont”, “Iphigenie auf Tauris”, “Faust”.

4. Das prosaische Schaffen: “Dichtung und Wahrheit”, “Wilhelm Meister” – Trilogie.

5. Schiller in Weimar. Die philosophisch-ästhetischen Grundlagen seines Schaffens:

d) Ästhetisch-historische Schriften: “Briefe über ästhetische Erziehung des Menschen”, “Geschichte des Abfalls der Niederlande von der spanischen Regierung” (1788), “Geschichte des 30-jährigen Krieges”.

e) Historische Dramen: “Die Wallensteins – Trilogie”, “Maria Stewart”, “Wilhelm Tell”.

f) Schiller und die griechische Antike: die Balladen – “Die Bürgschaft”, “Die Kraniche des Ibykus”, “Götter Griechenlands”.

g) Die literarische Zusammenarbeit von Schiller und Goethe: Xenien (1796), Balladenjahr (1797) (Messerle, Teil 3, S. 105–110).

Literatur zu diesem Thema:

1. M. D. Stössel, Geschichte der dt. Literatur, S. 160 ff.

2. Martens-Lewinson, Deutsche Literatur, SS. 207–208, 222 ff, 276 ff, 297 ff.

3. E. A. Messerle, Deutsche Literatur, Teil 3, S. 104 ff.

4. Lexikon deutschsprachiger Schriftsteller, Leipzig, 1972. S. 266 ff.


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