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Монографии, изданные в издательстве Российской Академии Естествознания

Die Geschichte der deutschen Literatur

Марченко С. Е.,

Die Literatur des XX. Jahrhunderts

In der DDR. Die Neue Subjektivität der siebziger Jahre spiegelt sich im Werk von Sarah Kirsch, eine Traditionslinie, die sich bis in die frühen achtziger Jahre bei Egon Günther “Reitschule” (1981) und in den autobiographisch-erinnernden Romanen von Helga Schütz “Jette in Dresden” (1977) fortsetzt. Zu den bedeutenden Frauenromanen jener Jahre gehören Brigitte Reimanns “Franziska Linkerhand” (1974), Irmtraud Morgners “Troubadoure Beatriz” (1974), Helga Schuberts “Lauter Leben” (1975) und Christine Wolters “Wie ich meine Unschuld verlor” (1976). Um 1975 begann die ostdeutsche Literatur, die Möglichkeiten des Einzelnen im gesamtgesellschaftlichen Kontext kritisch zu hinterfragen. Ein Beispiel sind die als Parodie auf Goethes “Werther” verfassten “Neuen Leiden des jungen W.” (1973) von Ulrich Plenzdorf, der auch in seinen Dramen nach der Zukunft der Jugend im Sozialismus fragte; ähnliches kann für Reiner Kunzes Miniaturprosa “Die wunderbaren Jahre” gelten, die 1976 in der Bundesrepublik erschienen. Im Kontext einer Aufarbeitung des Vergangenen entstanden “Etappe Rom” (1975) von Erich Loest sowie Christa Wolfs “Kindheitsmuster” (1976). Im Genre des historisch-mythischen Romans versuchte sich Stefan Heym mit seinen Gesellschaftsparabeln “Der König David Bericht” (1972) und “Ahasver” (1981). Dem Schelmenroman in der Tradition Grimmelshausen verschrieb sich Benito Wogatzki mit “Das Narrenfell” (1982).

Im Bereich der Dramatik wagten Stefan Schütz und Christoph Hein den Aufstand gegen die Kleinbürgerlichkeit des real existierenden Sozialismus. Peter Hacks suchte mit seiner humanen, “postrevolutionären Dramaturgie” neue Theatermöglichkeiten jenseits von Brecht. Die lyrische Produktion der DDR ist von der politisch aufgeladenen Naturpoesie des Herausgebers der bedeutenden Kulturzeitschrift “Sinn und Form” Peter Huchel bestimmt, so wie sich die Dichter Ostdeutschlands zumeist ohnehin am Formal-Traditionellen (Klopstock und Hölderlin, etwa bei Stephan Hermlin) orientierten. In Johannes Bobrowskis Gedichten wird die Schuldfrage Deutschlands in einer von Geschichtssymbolik bestimmten dichterischen Landschaft aufgeworfen. Agitatorische Lyrik in der Nachfolge Majakowskijs schrieben Erich Weinert, Louis Fürnberg, Paul Wiens und Max Zimmering. Betont humoristisch und dezidiert sprachskeptisch gibt sich die Gesellschaftskritik von Karl Mickel “Eisenzeit” (1975). Wolf Biermanns zwischen Heinrich Heine und Bertolt Brechts angesiedelte satirische Gedichte “Mit Marx- und Engelszungen” (1968), brachten den Dichter bei den DDR-Kulturfunktionären in Verruf: 1976 wurde Biermann ausgewiesen, was die Literaturlandschaft des Staates nachhaltig veränderte: Ihm folgten, mehr oder weniger auf staatlichen Druck, Reiner Kunze, Thomas Brasch, Rolf Schneider, Erich Loest, Sarah Kirsch und Hans-Joachim Schädlich. (Vor 1961 hatten bereits Horst Bienek, Walter Kempowski, Gerhard Zwerenz, Uwe Johnson, Heiner Kipphardt, vor 1975 u.a. Hans Mayer und Manfred Bieler das Land verlassen.) Im Werk von Uwe Kolbe, Heinz Czechowski und Jürgen Reinhart Rennert wird Natur- in Industrielyrik transformiert (“Müllhaldenpoesie”). Zur Dichtergeneration der siebziger und achtziger Jahre gehörten außerdem Richard Pietraß und Bert Papenfuß-Gorek “Soja” (1991).

In der BRD. Mit Ingeborg Bachmann “Die gestundete Zeit” (1953) begann eine Phase der bewusst auf Subjektivität und Innerlichkeit ausgerichteten
Lyrikproduktion, die in den sechziger Jahren auch die Arbeiten Rose Ausländers, Hilde Domins bestimmten; hinsichtlich der verinnerlichten Darstellung von Außenwelt in Texten von Jürgen Becker, Ludwig Fels und F.C. Delius reicht diese Entwicklungslinie bis in die siebziger Jahre. Im Umfeld der Studentenbewegung, und als Protestmedium gegen den Vietnamkrieg allerdings gewann das Gedicht an politischer Dimension zurück. Bedingt wurde diese Politisierung u. a. durch eine Diskussion über Machtpolitik bzw. die gesellschaftliche Relevanz des Schreibens: So verkündete das von Hans Magnus Enzensberger herausgegebene “Kursbuch” 1968 den “Tod der Literatur”. Wichtige Vertreter dieser Richtung waren Rolf Dieter Brinkmann, Peter Rühmkorf, Erich Fried und Yaak Kasunke. Eine ähnliche Tendenz bestimmte auch das Drama, das sich, etwa bei Peter Weiss, Heinar Kipphardt, Tankred Dorst oder Rolf Hochhuth, der sich mit dem heiß diskutierten Stück “Der Stellvertreter” von 1963 auf die Möglichkeiten des politischen Theaters zu besinnen suchte. Somit entstanden wichtige Zeugnisse des deutschsprachigen Dokumentartheaters. In der Prosa zeigte sich zur Mitte der sechziger Jahre eine Hinwendung zum individuellen Duktus, der dem Bestreben etwa der Gruppe 61 um eine dezidierte Auseinandersetzung mit der Industriewelt entgegenstand. Damit nahm sie Tendenzen der Neuen Subjektivität mit ihrem introspektiven Selbsterfahrungsschreiben vorweg, die etwa in Nicolas Borns “Die erdabgewandte Seite der Geschichte” (1976) oder in Bernward Vespers “Die Reise” (1977) zum Tragen kam und, mit Hang zur feministischen Thematik, bei Karin Struck, Christa Reinig, Renate Rasp und Verena Stefan “Häutungen” (1975) ihre Radikalisierung fand. Eine Sonderstellung innerhalb dieser Entwicklung nimmt das Werk Wolf Wondratscheks ein, das in seinem betont subjektiv-anarchischen Underground-Tonfall einen gesellschaftskritischen Impuls beibehält. Eine Neubelebung des Volksstücks strebten seit den sechziger Jahren Martin Sperr “Jagdszenen aus Niederbayern” (1966), Rainer Werner “FassbinderKatzelmacher” (1969) und Franz Xaver Kroetz “Stallerhof” (1972) mit ihren provozierenden, oftmals anstößig-obszönen Bauerndramen an. Meisterwerke eines präzis beobachtenden Schreibens lieferte Jürgen Becker mit “Felder” (1964), “Ränder” (1968) und “Umgebungen” (1970) ab. Dem so genannten Neuen Realismus verschrieb sich die von Dieter Wellershoff begründete Kölner Schule.

Während Böll seine Gesellschaftskritik in den siebziger Jahren mit einer ironisch übersteigerten Darstellungsgenauigkeit verknüpfte (so in “Gruppenbild mit Dame”, 1971) und Alexander Kluge in seiner “Beschreibungsliteratur” Dokumentarmaterial in eine distanziert-emotionslose Schreibweise mit einfließen ließ, trat andernorts eine existentielle Fragestellung ins Zentrum, teils mit resignativ-anti-bürgerlichem (Gabriele Wohmann), teils mit deutlich anti-klerikalem, ins Groteske übersteigertem Impuls (Herbert Achternbusch). Nach einer Abrechnung mit den Ereignissen von 1968 “örtlich betäubt” (1969), nutzte Grass die Prosaform in “Aus dem Tagebuch einer Schnecke” (1972) nicht zuletzt zur Selbsthinterfragung. Mit schwarzem Humor arbeiteten die grotesk-provozierenden Texte Günter Seurens “Das Kannibalenfest” (1968), “Der Abdecker” (1970). Uwe Johnson schuf mit seinem vierbändigen Epos “Jahrestage” (1970–1983) einen Jahrhundertroman, Peter Weiss ließ in seinem Hauptwerk “Die Ästhetik des Widerstands” (3 Bde., 1975–1981) die Grenzen zwischen politischer Reflexion und Wunschbiographie verschwimmen. Neben der Autobiographie und dem Tagebuch (Ernst Jünger, Manès Sperber) erlebte der historische bzw. biographische Roman, meist mit dem Anspruch einer literarisch-fiktiven Ergänzung der reinen Faktenwelt, eine neue Blüte: Unter anderem Peter Härtling “Hölderlin” (1976), Wolfgang Hildesheimer “Mozart” (1977), und Dieter Kühn “Ich, Wolkenstein” (1977) taten sich dabei hervor. Beim Drama beschritt einmal mehr Peter Weiss mit den vielschichtigen Spiegelungen von “Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats” (1964) neue Wege. Des Weiteren entwarf Heiner Müller seine in Brecht’scher und Artaud‘scher Tradition stehenden grausam-burlesken Zeitpanoramen “Germania Tod in Berlin” (1977). Herausragende deutschsprachige Autoren der siebziger Jahre waren zudem die Österreicher Peter Handke und Thomas Bernhard, der mit “Die Ursache” (1975) und “Der Keller” (1976) auch autobiographische Werke vorlegte. 1979 schuf Michael Ende mit “Die unendliche Geschichte” einen Klassiker der deutschen Kinder- und Jugendliteratur.

Als Nachklang auf Walter Kempowskis 1971 mit “Tadellöser und Wolf” begonnene Familiensaga und Karin Strucks Roman “Die Mutter” (1975) stand die deutsche Literatur der frühen achtziger Jahre unter dem Eindruck einer Aufarbeitung von Familiengeschichte: Ein noch früheres Zeugnis
dieser Tendenz war Weiss’ “Abschied von den Eltern” (1961) gewesen. Beispiele hierfür sind Ruth Rehmanns “Der Mann auf der Kanzel” (1979), Peter Härtlings “Nachgetragene Liebe” (1980), Christoph Meckels “Suchbild” (1980) und Katja Behrens’ “Die dreizehnte Fee” (1983). Wie in der Novelle “Ein fliehendes Pferd” (1978), so setzte Martin Walser auch in “Brandung” (1985) weiterhin auf eine Darstellung der gutbürgerlichen Midlife-Crisis. Den Versuch einer Wiederbelebung des Prosagedichts unternahm mit “Paare”, “Passanten” (1981) der auf Theodor W. Adornos “Minima Moralia” anspielende Botho Strauß, der mit “Kalldewey”, “Farce” (1981) und “Der Park” (1983) zu den herausragenden Dramatikern der achtziger Jahre avancierte und mit “Der junge Mann” (1984) den bundesdeutschen Bildungsroman in der Tradition Goethes zu begründen suchte. Ende der achtziger Jahre sorgte Christoph Ransmayrs Endzeitroman “Die letzte Welt” (1988) für Aufsehen, ein gelungenes Dokument der literarischen Postmoderne. Des Weiteren traten Robert Gernhard, Eckhard Henscheid und F. W. Bernstein mit ihrer humoristischen Prosa hervor, die gegen das neue Pathos der deutschsprachigen Literatur um Botho Strauß “Das Gleichgewicht”(1993), “Ithaka” (1996) und Peter Handke “Noch einmal Thukydides” (1990), “Versuch über die Jukebox” (1990), “Versuch über den geglückten Tag” (1991) rebellierte. Als Lyrikerin der späten achtziger Jahre machte sich Ulla Hahn einen Namen, bevor sie Mitte der neunziger von Durs Grünbein “Schädelbasislektion” (1991) als populärstem Lyriker abgelöst wurde. 1990 erschien der provozierende, im Feuilleton stark rezipierte Erzählband “Wenn ich einmal reich und tot bin” des Redakteurs des Zeitgeist-Magazins “Tempo”, Maxim Biller, über seine Erfahrungen als Jude in Deutschland. Der Überraschungserfolg des Jahres war der exotistische Roman “Infanta” von Bodo Kirchhoff. Mit der “Geschichte der Dunkelheit” beendete der Österreicher Gerhard Roth 1991 sein auch in der Bundesrepublik viel beachtetes Romanprojekt der “Archive des Schweigens”.

Anfang der neunziger Jahre setzte sich auch die deutsche Literatur mit der Wiedervereinigung auseinander, eingeleitet durch Günter Grass’ “Ein Schnäppchen namens DDR” (1990). Zeugnis für diese Tendenz zur Schilderung der frühesten Vergangenheit auch innerhalb der Generation jüngster Autoren waren die Romane “Nox” (1995) von Thomas Hettche und “Helden wie wir” (1995) von Thomas Brussig. Darüber hinaus setzten sich Schriftsteller wie Christa Wolf “Was bleibt” (1990) und Erich Loest “Die Stasi war mein Eckermann” (1991) mehr oder weniger kritisch mit ihrer DDR-Vergangenheit auseinander. Andere, darunter Sascha Anderson, wurden mit ihr konfrontiert. 1993 erschien unter dem Titel “Echolot”. “Ein kollektives Tagebuch” der imposante stenographische Kriegsbericht Walter Kempowskis, der als innovatives Verfahren den Autor lediglich als anonymen Monteur auftreten und somit hinter die vielen Dokumente der Zeitzeugen (Tagebucheinträge, Briefe, Autobiographien etc.) zurücktreten ließ. Im gleichen Jahr sorgte Botho Strauß’ Essay “Anschwellender Bocksgesang”, der ein wertkonservatives Bewusstsein einklagte, für Diskussionsstoff. Mit “Ein weites Feld” (1995) erwies Günter Grass in der Figur Fontys seinem Vorbild Theodor Fontane seine Referenz und nahm nochmals zur deutsch-deutschen Frage Stellung. Als Kolumnist der späten achtziger und neunziger Jahre etablierte sich endgültig Max Goldt und trat damit in die Fußstapfen Harry Rowohlts. Weitere wichtige deutsche Autoren dieser Jahre waren Gerold Späth, Jürg Laederach, Gisbert Haefs, Brigitte Kronauer, Patrik Süskind, Ingrid Noll, Irene Dische, Wolfgang Hilbig, Johanna Walser, Uwe Timm, Herta Müller, Peter Schneider, Katja Behrens, Sten Nadolny, Michael Schulte, Gerhard Köpf, Thorsten Becker, Wilhelm Genazino, Norbert Gstrein, Michael Kleeberg, Doris Dörrie, Johano Strasser, Matthias Zschokke, Christoph Meckel, Bodo Morshäuser, Herbert Rosendorfer, Herbert Genzmer, Wolfgang Hegewald, Klaus Modick, Hanns-Josef Ortheil, Jochen Schimmang, Marcel Beyer, Ulla Berkéwicz, Ulrich Pletzer, Hans Pleschinski, Lutz Rathenow, Monika Maron, Burkhard Spinnen, Bernhard Schlink, Ingo Schulze, Robert Menasse, Tilman Spengler, Dietrich Schwanitz und Jürg Federspiel.

Fragen und Aufgaben zum Thema für die selbständige Arbeit:

1. Was war für die Literatur in der BRD und in der DDR typisch?

2. In welchen Richtungen schufen die Vertreter der BRD- und der DDR-Literatur?

3. Warum setzte sich die Literatur der 90-er Jahre mit der Widervereinigung auseinander?

4. Nennen die Schriftsteller und ihre Werke, die Sie kennen.

5. Welche Bücher dieser Periode haben Sie gelesen?

6. Selbstständig studieren Sie die Literatur des XXI. Jahrhunderts und machen den Vortrag zu diesem Thema.

Aufgaben zum Seminar: Deutschsprachige Literatur

1. Die literarische Situation in Österreich nach dem Staatsvertrag von 1955.

2. Die größten epischen Leistungen der neuen österreichischen Literatur:

a) H. von Doderer und sein “großer österreichischer Roman” über die Erste Republik “Die Dämonen” (1956). (S. 359 ff).

b) Ilse Aichinger/Ingeborg Bachmann und ihre Suche nach persönlichem Halt im Chaos der zerstörten Werte (S. 366 ff).

c) Paul Celan als bedeutendster Vertreter der neuen österreichischen Nachkriegslyrik (“Mohn und Gedächtnis” (1952), “Todesfuge”, “Von Schwelle zu Schwelle” (1955)). (S. 374 ff).

3. Die Haupttendenzen der Literatur der deutschen Schweiz (S. 335–342 ff).

4. M. Frisch und sein Einspruch gegen die nationale Ideologie und das Bürgertum. Der Verlust der Persönlichkeit als Hauptthema seines Schaffens: “Stiller”, “Homo Faber” (S. 342 ff).

5. Die bedeutendste dramatische Leistung der deutschsprachigen Literatur: Fr. Dürrenmatt (“Der Besuch der alten Dame”, “Die Physiker”).

6. Hermann Hesse (1946) – Schweiz.

7. Günter Grass (1999) – Deutschland.

8. Elfriede Jelinek (2004) – Österreich.

Literatur:

1. Deutschsprachige Literatur im Überblick, Leipzig 1973.

2. Lexikon deutschsprachiger Literatur, L. 1974.

3. Kulturjournal, 4/2004, S. 8 ff.

4. Echtermeyer/von Wiese, Deutsche Gedichte, SS. 663, 670, 679.


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